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Berufung

Telos

Meine lauteste und tiefste Berufung und wohin sie zeigt.

Meine lauteste und tiefste Berufung ist es, gegenüber unsäglichem Leiden zu handeln und bewegenden Glauben zu ermöglichen, damit alle Menschen zu gleichen Stücken an der Welt Anteil haben können.

Das ist kein Leitspruch, den ich mir einmal ausgedacht habe. Es ist eher etwas, das mich gefunden hat: leise zuerst, dann immer deutlicher. Alles, was ich tue, muss sich an diesem Satz messen lassen. Was ihm nicht standhält, darf gehen.

Was unsägliches Leiden für mich heisst

Unsäglich nenne ich Leiden, das keine Sprache mehr hat. Der Hunger, über den niemand mehr berichtet. Die Einsamkeit, die sich hinter Funktionieren versteckt. Die Ausbeutung, die so alltäglich geworden ist, dass wir sie nicht mehr als Skandal empfinden, sondern als Preisvorteil.

Gegenüber diesem Leiden zu handeln bedeutet für mich zweierlei. Erstens: hinschauen, auch wenn es unbequem wird, gerade dann. Zweitens: teilen, konkret und beständig, nicht als Geste, sondern als Ordnung meines Lebens. Wer mehr hat, als er braucht, verwaltet etwas, das ihm nicht allein gehört.

Was bewegender Glaube für mich heisst

Glaube, der nichts bewegt, ist für mich kein Glaube, sondern eine Gewohnheit. Bewegender Glaube ist etwas anderes: eine Erfahrung, die einen Menschen von innen her aufrichtet und nach aussen wendet. Er tröstet nicht, um stillzustellen. Er tröstet, um in Bewegung zu setzen.

Ich möchte Räume ermöglichen, in denen Menschen, besonders junge Menschen, dieser Erfahrung begegnen können. Nicht als Belehrung, sondern als Einladung. Denn wer einmal erlebt hat, dass das eigene Leben gemeint ist, fragt von selbst danach, was er der Welt schuldet.

„Leben braucht Seele. Für alles andere habe ich keine Zeit mehr."

Zu gleichen Stücken

Das Ziel hinter allem ist einfach zu sagen und schwer zu leben: dass alle Menschen zu gleichen Stücken an der Welt Anteil haben. Nicht als Gleichmacherei, sondern als Gerechtigkeit: dass niemand vom Tisch ausgeschlossen bleibt, an dem für alle genug wäre.

Ich weiss, dass ich dieses Ziel nicht erreichen werde. Aber ich kann mich daran ausrichten, wie man sich an einem Stern ausrichtet: Er zeigt die Richtung, auch wenn man ihn nie berührt. In diese Richtung möchte ich gehen, Schritt für Schritt, mit dem, was mir anvertraut ist. Und ich gehe lieber langsam in die richtige Richtung als schnell in die falsche.