Berufung
Lebenskompass
Wie ich gehe. Das doppelte Liebesgebot und die eine Frucht des Geistes.
Mein Telos zeigt mir, wohin ich gehe. Wie ein Stern gibt es die Richtung. Für den nächsten Schritt im Gelände braucht es aber einen Kompass. Mein Lebenskompass hat zwei Teile. Das doppelte Liebesgebot gibt die Richtung. Die Frucht des Geistes zeigt mir, ob ich noch auf dem Weg bin.
Das doppelte Liebesgebot
Jesus wurde nach dem wichtigsten Gebot gefragt. Er nannte zwei. Und er machte sie zu einem.
Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit deinem ganzen Denken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten. (Mt 22,37-40)
Darin liegen drei Richtungen. Gott. Der Nächste. Und ich selbst. Keine kommt ohne die anderen aus. Wer Gott liebt und den Menschen übersieht, liebt nur ein Bild von Gott. Wer den Nächsten liebt und sich selbst verachtet, schöpft aus einer leeren Quelle. Wer nur sich selbst liebt, bleibt allein.
Diese Dreiheit trägt alles, was ich bin. Die Seite Was mich trägt beginnt mit der Beziehung zwischen mir, der Welt und Gott. Das ist kein eigener Gedanke. Es ist das Liebesgebot.
Die eine Frucht des Geistes
Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Enthaltsamkeit; gegen all das ist das Gesetz nicht. (Gal 5,22f.)
Paulus schreibt die Frucht. Nicht die Früchte. Es ist eine einzige Frucht mit neun Gesichtern. Keine Liste von Tugenden, die man abhaken kann. Früchte macht man nicht. Sie wachsen, wo der Geist wirken darf.
So benenne ich die neun Gesichter der einen Frucht.
- Liebe
- Eine selbstlose, aufopfernde Fürsorge für andere, bei der man das Wohl der anderen so ernst nimmt wie das eigene.
- Lebensfreude
- Ein tiefes, bleibendes Gefühl der Fröhlichkeit und Zufriedenheit, das nicht von äusseren Umständen abhängt.
- Friede
- Eine innere Ruhe und Harmonie, sowohl in der Beziehung zu Gott als auch im Umgang mit anderen.
- Geduld Langmut
- Ein langer Atem, der schwierige Umstände, Verzögerungen und Kränkungen trägt, ohne zornig oder ängstlich zu werden.
- Freundlichkeit
- Eine mitfühlende und sanfte Gesinnung, die anderen mit Empathie, Grosszügigkeit und Rücksichtnahme begegnet.
- Güte
- Eine Aufrichtigkeit und innere Ganzheit, aus der das Richtige und Förderliche wie von selbst geschieht.
- Treue
- Loyalität, Vertrauenswürdigkeit und Beständigkeit in den Verpflichtungen gegenüber Gott und anderen Menschen.
- Sanftmut
- Eine demütige, bescheidene Herangehensweise, die Stärke auf rücksichtsvolle und kontrollierte Weise einsetzt.
- Selbstbeherrschung
- Die Freiheit, nicht jedem Drang zu folgen. Gedanken, Gefühle und Handlungen bleiben auf die Liebe ausgerichtet.
Darum ist die Frucht für mich kein Ziel, das ich erreichen will. Sie ist ein Zeichen. Wo Liebe, Lebensfreude und Friede wachsen, bin ich auf dem Weg. Wo sie fehlen, habe ich ihn verlassen. Auch dann, wenn alles nach Erfolg aussieht.
An ihren Früchten
An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. (Mt 7,16)
Das gilt auch für mich. Meine Werke sollen zeigen, was ich glaube. Ihr Massstab ist nicht zuerst der Gewinn. Ihr Massstab ist die Frucht. Wachsen in ihnen Liebe, Lebensfreude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung? Dann tragen sie. Wenn nicht, muss sich etwas ändern.