Dachunternehmung Schlüssel

Dachunternehmung Schlüssel

Soziokratie

Als Heilung von Korruption und entfesseltem Kapitalismus: Niemand wird überstimmt, Macht ist verteilt und sichtbar.

Korruption beginnt dort, wo Macht im Verborgenen wirkt und Geld Stimmen kauft. Entfesselter Kapitalismus beginnt dort, wo eine Mehrheit oder ein Kapital die anderen überstimmen kann, ohne ihnen Rechenschaft zu schulden. Beides ist kein Charakterfehler einzelner Menschen. Es ist eine Frage der Struktur.

Die Soziokratie ist eine solche Struktur, nur umgekehrt gebaut. Der niederländische Unternehmer Gerard Endenburg hat sie in den 1970er-Jahren in seinem eigenen Betrieb entwickelt. Sie ruht auf vier Regeln.

  • Konsent. Beschlossen ist, wogegen niemand einen begründeten, schwerwiegenden Einwand hat. Ein Einwand ist kein Veto aus Laune, sondern ein Beitrag: Er zeigt, wo ein Vorschlag dem gemeinsamen Ziel schaden würde, und macht ihn besser. Niemand wird überstimmt, und darum kann niemand übergangen werden.
  • Kreise. Entschieden wird dort, wo die Arbeit getan wird. Jeder Kreis bestimmt in seinem Bereich selbst.
  • Doppelte Verknüpfung. Zwischen zwei Kreisen gehen zwei Menschen hin und her, eine Person führt, eine vertritt. So fliessen Information und Macht in beide Richtungen, nicht nur von oben nach unten.
  • Offene Wahl. Aufgaben werden offen und mit Begründung vergeben, im Konsent. Keine geheimen Absprachen, kein Wahlkampf.

Warum das heilt

Soziokratie und Eigentumsverantwortung tun dasselbe an zwei Stellen. Eigentumsverantwortung trennt die Stimme vom Geld: Wer Gewinnanteile hält, entscheidet nicht. Soziokratie trennt die Entscheidung von der Hierarchie: Wer oben steht, kann nicht über die anderen hinweg bestimmen. Zusammen nehmen sie der Korruption ihren Boden. Macht ist verteilt, sichtbar und zurücknehmbar, und kein Geld der Welt kauft einen Konsent.

Dazu gehört eine Führung, die man kaum bemerkt. Wir delegieren bis zur fünften Stufe: Wer eine Aufgabe trägt, entscheidet selbst, ohne Rückfrage, im vollen Vertrauen. Führung heisst dann vor allem, Menschen zu befähigen und Hindernisse aus dem Weg zu räumen.

Und dazu gehören Regeln, die von jenen geschrieben werden, die sie binden, abgestufte Folgen statt sofortigem Ausschluss, und ein einfacher, naher Weg, Konflikte zu lösen. Die Ökonomin Elinor Ostrom hat gezeigt, dass gemeinsam verwaltetes Gut genau so über Generationen bestehen kann.

Was Struktur nicht kann

Soziokratie heilt Strukturen, nicht Herzen. Eine gute Struktur macht es schwer, Macht zu missbrauchen. Ob wir einander begegnen können, entscheidet sich anderswo, in der inneren Arbeit. Darum gibt es den Dōjō.